24.07.2008
0,20 yuan für eine Plastiktüte
Als ich vom 22. Stockwerk unseres Hotels den flüssigen Verkehr auf dem zentralen Platz der Drei-Millionen-Stadt Lanzhou beobachtete, war es mir bewusst, dass es bald unruhig wird auf dieser Kreuzung. Übermorgen werden sicher eine Menge von Autos
unterwegs sein.
Hier am Ufer des“ Gelben Fluss“, in der Provinz Gansu, lebten Mitte des vorigen Jahrhunderts weniger als 200 000 Menschen. Diese Stadt, in der vor 10 Jahren der Himmel noch grau über den Hochhäusern hing, ist ein gutes Beispiel wie China nicht nur den Weg in die Modernität eingeschlagen hat, sondern auch dabei die vielen Naturprobleme dieser gigantischen Fluß-Berg- und Wüstenlandschaften zu bewältigen weiß . Und das geschieht deutlich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.
Eine große Anzahl von Wasserkraftwerken liefern genügende elektrische Energie für mehrere Regionen. Die Täler wurden fruchtbar gemacht, die Abhänge werden wieder aufgeforstet; es wurde möglich dank eines uralten unterirdischen Bewässerungssystems, “karez“ dass sich seit 2000 Jahren in ganz China bewährt hat.
Auch im Alltag stellen wir fest, dass die Ökologie hier sich auch einen Weg bahnt. In den Hotels wird wie bei uns auf die Kostbarkeit des Wassers hingewiesen. Ein “neues” chinesiches Sprichwort sagt“ When there is the last drop of water left on the earth, it will be our tears“. Überall brennen die Energiesparlampen; die Plastikflaschen werden recycelt. Und die größte positive Überraschung erlebte ich an der Kasse eines großen Supermarktes, wo die Plastiktüte nur gegen die Bezahlung von 0,20 yuan ( entspricht etwa 2 cents ) zu haben ist.
In größeren Städten verfügen längst die Radfahrer über eigenen Spuren. Sie werden in der Mittagshitze gern benutzt, da sie von immer grünen Bäumen gesäumt sind.
Immer wieder mal ein Fotostopp in der „größten“ Windparkanlage Chinas. Oder für Fotovoltaik auf Dächern. Und Solarzellen für warmes Wasser.
Was bei uns daheim offiziell gefördert wird und nicht immer die totale Akzeptanz der Leute hat, wirkt in unseren Augen in China fremd!
Wir durchfahren den Norden Chinas seit bald einem Monat, wir werden trotzdem dieses Land nicht kennen, aber eines steht fest: Je mehr wir fahren, desto mehr lösen wir uns von den mitgebrachten Klischees.
Und der Himmel über Lanzhou strahlt wieder blau.


