20.07.2008
Monatsarchiv für Juli 2008
20.07.2008
19.07.2008
Hami - Dunhuang, 19. Juli 2008
18.07.2008
Chinesische Grenze - Turfan - Hami
Meine erste Reise nach China - ich hatte keine genaue Vorstellung, was mich erwartet, ich war und bin nur neugierig, also gibt es auch keine Enttäuschungen, im Gegenteil, alles ist spannend, ich hätte nie gedacht, dass Neubauviertel in der Wüste mit einem realsozialistischen Resttouch so interessant sein könnten.
Die Menschen hier machen es mir einfach, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, will heißen, es gibt ganz einfache Verständigungscodes, nach denen ich verstehe, ob ich sie fotografieren darf oder nicht oder einfach nur ein Blick und ein Lächeln getauscht wird. „Blaue Wattejacken“ ist schon lange nicht mehr.
Turfan – 150 Meter unter dem Meeresspiegel, 48 Grad bei der Ankunft, auf den ersten Blick eine trostlose Ansammlung einfallsloser Architektur auf der China Road 312. Eine halbe Million Uiguren und Chinesen leben hier. Am späten Nachmittag, lässt die Hitze nach, das Leben in den Straßen erwacht wieder (obwohl ich das Gefühl habe, die Chinesen machen nie Pause) und wir gehen auf einem der baumbestandenen Bürgersteige Richtung Basar. Die Luft brennt, ein einziges Gewusel. Eine der Hauptstraßen auf dem Weg dorthin wird völlig neu geteert, der Bürgersteig neu gepflastert, alles während der Verkehr weiterläuft, die Teermaschine bei der Arbeit bestaunt wird, Leute aus Geschäften kommen, deren Treppenstufen gerade neu gelegt werden. Es wird eigentlich überall und ständig gebaut.
Hello, do you speak English? Diesmal kein Kind, sondern ein Lehrer aus Turfan, der mich anspricht. Er ist neugierig, Englisch zu sprechen und etwas aus der Fremde zu erfahren, Ich muss keine vorsichtigen Fragen stellen, er erzählt sehr direkt über die harten Arbeitsbedingungen, das wenige Geld bei den meisten und über Tibet. „Wir haben doch gar kein Geld für die Olympiade“, fährt er fort. Ein Arbeiter verdient im Schnitt monatlich etwa das, was ich in 3 bis 4 Tagen auf der Reise auf den Kopp haue. „Wir lernen Englisch weil unsere technologische Entwicklung so langsam ist.” We want to catch up with the US - das ist hier die Orientierung, bin ich überrascht.
Den ganzen Tag über ziehen dunkle Wolken auf? Regen? Hier? Im Sommer in der Wüste? Abends ist es soweit: Schwefelgelbe Wolkenbeutel lassen auf Regen hoffen. Am Ende sind es nur wenige Tropfen, die ich abbekomme. Ein phantastischer Regenbogen spannt sich über Turfan, ich lasse das Essen stehen, die Passanten sind genau wie ich fasziniert von dieser Schönheit!
Trotzdem, ohne Wasser von weit her läuft hier gar nichts. Ein über 2000 Jahre, großenteils unterirdisches Bewässerungssystem sorgt bis auf den heutigen Tag dafür, dass die Rebstöcke rund um Turfan und auch die Bäume, die ganze Straßenzüge im Sommer schattig abdecken, genügend Wasser bekommen. Grabungstechnik und das System der über 2000 Kilometer Kanäle sind im Museum anschaulich dargestellt, unterirdische Gänge führen den Besucher in die Technik ein und zum Schluss „en directe“ in den Souvenirshop. Zentralasiatisches Disneyland!
Alle Sehenswürdigkeiten haben hier große Ähnlichkeiten – das beginnt bei den Einlassgittern, die sind nagelneu und sind alle vom gleichen Herstelle, den riesigen Souvenirshops - und endet bei der Vermutung, die Uiguren machen die Show und die Han-Chinesen das Geschäft.
Jiahoe, von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert erobert, Ruinen auf einem Felsplateau, wir wandern durch skurrile Sandsteinformationen, froh, endlich dem plärrenden Lautsprecher der chinesischen Reiseleiterin entkommen zu sein, die ihre Gruppe unablässig mit Informationen zudröhnt. Interessante Souvenirs gibt’s auch – wer seinen Tee in Zukunft in Erinnerung an vergangene Zeiten schlürfen möchte, kann die Teebeutel in eine Kanne mit den Konterfeis von Mao und Tschou En Lai gleiten lassen, ermutigende Parolen darunter inklusive, alles zum Preis von 6 Euro.
Nachdem wir uns nun auch sicher sein können, in der Wüste Gobi zu sein, der schwarzen Gobi nämlich (wegen der Farbe des Gerölls so genannt),  steigt die Aufmerksamkeit für diesen Teil der Tagesetappen auch noch einmal.
Diese Fahrtage sind überhaupt sehr relaxed, bei der Beschreibung des Reisegefühls bekommt der Leser vielleicht den Eindruck, hier wird ein Werbetext für die Vorzüge des Busreisens entworfen. Im Bus ist soviel Platz, dass ich den Platz auch mal wechseln kann, um mit anderen Reisenden zu quatschen, hinten an einem der Tische meinen Laptop zu laden oder Postkarten zu schreiben. Der superbequeme Sitzabstand lässt mich entspannt durch den Mittag dösen, während draußen das Tien-Shan-Gebirge vorüberzieht. Ich stoße auf Reiseführer und andere spannende Bücher über China – die liegen alle in einer großen Bücherkiste am Mitteleingang. Es ist schön, Zeit zu haben. Es gibt einfach keinen Reisestress, immer mal wieder Musik oder eine Arte Reportage über Xinjiang.
Der knallrote Setra Luxusbus hat Wohnzimmercharakter.
Selbst von Provinzpolizisten willkürlich verhängte Zwangspausen an einer der zahlreichen Mautstellen bringen uns nicht mehr aus der Ruhe. Ansonsten gibt es immer nur eine Richtung: Nach Osten!
Wolfram Goslich
Fotos von Wolfram Goslich (www.busconcept.de)
16.07.2008
Neues aus China - und neue “alte” Fotos
Wie wir privat aus China hören, sind die Buschinesen mittlerweile in Turfan. 48 Grad im Schatten, man fühle sich “wie in einem auf “heiß” gestellten Riesenfön”. Die Stimmung in der Gruppe sei nach den Anstrengungen der letzten Woche gut, Unterbringung gut und Futter prima.
Neue “alte” Fotos von Roland Lorenz entlang der Strecke Taschkent-Almaty gibt’s unter dem Datum 10. Juli 2008.
Sigrid Hofmaier
15.07.2008
Almaty - China
14.07.2008
Roland Schrag & Hans-Peter Christoph in SWR4
Neueste Nachrichten aus China in SWR 4 gibt’s zum Anhören hier:
14.07.2008
Allons enfants…
Pirrette jubelt, sie spricht vom Patriotismus heute! Sie belehrt uns, dass das etwas unverzichtbar Schönes sei - insbesondere für eine Französin - und ihre Augen sprühen Funken, wenn sie von ihrer Liebe zur Melodie der Marseillaise spricht und von ihrer Empörung über deren Text, den sie uns aber lieber nicht übersetzt: „Das ist Nationalismus pur, der trennt gegenüber anderen (Nichtfranzosen). - Ein Patriotismus dagegen, der eint!“Â
Das nehmen wir uns zu Herzen und am Abend, bei unserer Rückkehr aus dem Tal der Trauben (nahe der Wüsten- bzw. Oasenstadt Turfan, 200 Kilometer südlich unserer letzten Station, der Bezirksstadt Urumqui ) durch köstliches-alkoholisches Nass, von Hemmungen erleichterten Kehlen, jubeln wir in unserer Avanti-Bus-Heimat, in die Nacht des heutigen Feiertages, alles was an patriotischen Liedresten in unserer französischen Erinnerung verblieb.
Alain, unser eleganter Fahrer, ist mit von der französischen Partie und wir haben auch einen dreifachen Fremdenlegionärs-Rentner unter uns, und dazu all die Frankreichenthusiasten, das erbringt schon über die Hälfte unseres Busgewichtes!
Und die Nachricht erreicht uns dazu, dass Pierrette in einen Vorstand der Grünen gewählt, nun fürs Europaparlament kandidieren wird, unsere volle Unterstützung soll sie haben. Vive la France!
Heiß ist es, sehr heiß. Immerhin konnten wir im bestens klimatisierten Bus 48 Grad Celsius am Messfeld über dem Führerstand lesen, als wir hier in der angeblich heißesten Stadt Chinas ankamen! So heiß und sehr trocken, das erbringt ein bisher unbekanntes, uns dörrendes Lebensgefühl.
Wir kommen also zurück aus dem nahe gelegenen Putao Gua, dem Traubental, in dem wir lernten, was das heißt, wenn ein Dorf praktisch nur von der Rosinen-Produktion lebt. Also, dies „Tal der Träume“ inmitten einer Wüste ist in einer Breite von etwa 300 Metern quasi angefüllt mit Weinreben, deren Trauben einem auf mannshohen Gestellen vom Himmel her in den Mund wachsen. Die schattigen Gänge bilden herrlichste Räume für Festlichkeiten. Unzählige Stände und Gartenwirtschaften bieten die verschiedensten Rosinenarten, fein dekoriert an. Seit altersher werden sie hier gezüchtet und „südländisch“ feilgeboten.
Man muss sich dies unvergessliche Traubental einmal so vorstellen: Auf der einen Seite riesig hohe Felswände mit ausgewaschenen Turmformationen, einem Teil der „flammenden Berge“, die uns in der Abendsonne rot anleuchten. Sie sind ähnlich den uns in Europa als Dekor bekannten Zeichnungen auf „typisch chinesischen“: mehrstufig, mit Nebelschwaden und von Vögeln umkreist.
Unten am gurgelnden Bach sind Brückchen und Pavillons drapiert. Alleen mit einer großformatigen vorzüglichen Fotoausstellung, alles mit Platz für einige Tausend Touristen, die - Gott sei es gedankt -, noch fehlen. Wohl weil die Traubenmassen noch nicht reif sind?
Auf der anderen Seite des Tales ein eng aneinander geschmiegtes Reihendorf aus Lehmwänden, nicht arm, nicht reich, alles Hütten mit Flachdächern. Über ihnen, also am Gegenhang zu den bizarren Felswände,  auf Hügeln die Trockensilos für Rosinen. Sie sind aus Lehmziegeln, mit Hohlräumen neben jedem einzelnen Ziegel. Gebäude, die natürlich von Hand gebaut, mich an die Wohnsilos in der ehemaligen DDR bei uns erinnern, nur kleiner natürlich. Zwischen diesen Kästen ein Gräberfeld mit eigenartigen Schluchten und Erosionsrinnen, teils mit Löchern, in den Fels geschlagenen Höhlen, die bekriechbar sind. (Natürlich musste das Hans-Werner erproben…und Alain ihn vor Betreten seines sauberen Busses wieder abfegen). Dies Gräberfeld kann man sich wie am jüngsten Tag vorstellen, mit bereits einigen geöffneten Gräbern- wenn einem das liegt…
Es fehlt in dieser Beschreibung nun noch die vierte Dimension: ein unvorstellbar heißer Himmel, vor dem sich alle Menschen soweit es geht verstecken. Zwischen Talsohle und den Trockensilos mindestens 10 Grad Temperaturunterschied. Die aufgehobenen Steine glühen in der Hand und am Horizont präsentiert sich eine Gebirgskette, von der es heißt, dass sie auch himmlisch sei…Und der Legende nach von einem buddhistischen Mönch mit seinem Schwein - im Kampf gegen alle bösen Geister durch Erlangen des richtigen Fächers - erstmals überquert werden konnte.
(Am Vortag hatten wir am „himmlischen See“ oberhalb von Qurumpi die Gelegenheit zu begreifen, dass uns die Chinesen - nach Kopie aller erfolgreichen Automarken - nun auch noch das Allgäu und den Königsee in einem nachgemacht haben. Mit einem Sessellift in bunten Farben und technischer Ausrüstung, die unserem TÜV graue Haare wachsen ließe, wurden wir in eine wunderschöne echte Alpenlandschaft hinaufgebaggert. Zigtausende Chinesen genießen so zumindest diesen Teil von Europa, täglich live!)
Recht geschieht dir, Hans Werner: Musst du auch noch eine zweite große Flasche des schönen, kühlen, hiesigen Bieres trinken? (Werner interessiert sich misstrauisch für die Nichteinhaltung des Reinheitsgebotes in China!) So muss er, anstelle den Schlaf zu finden, nach einem solchen Tag der nur 1,3 Prozent unserer ganzen Reise ausmacht, nun auch noch mehr erzählen, - und mit weiteren Blitzlichtern Teile dieses einen Tages festhalten. Er beginnt also am Vorabend zu erzählen, wie es alter jüdischer Brauch ist: Trotz aller Urlaubsgenuss-Strapazen konnten es einige nicht lassen, abends auf den Basar der Stadt Qurumpi zu gehen. „International“ wird er genannt und ist somit anders als sonst. Die chinesische Regierung hat den alten schnuckeligen überdeckten, abgerissen und an seiner Statt iesige, mehrstöckige Kaufhaushallen erstellt, mit Rolltreppen nach unten und systematisch geordneten Angebotsbereichen: Lebensmittel, Bekleidung, unzählige gedörrte Früchte etc. Auch die chinesische Olympia-Mickymaus darf nicht fehlen…. Alles „kopiert“? – Nein! - Es ist der Zug der Zeit - die Leute wollen es angeblich. Seit Überwindung der Kulturrevolution wird in einem atemberaubenden Tempo auch an der Wandlung der „Wüstenstadt“ nicht halt gemacht. Z .B. ließ sich Pierrette angesichts des beleuchteten Postplatzes zu dem Ausruf: „Das ist ja toller als auf den Champs Elysées!“,hinreißen. Diese Dynamik ist ungebrochen, scheint vielmehr erst in den Anfängen zu stecken. Wir werden uns im alten Europa noch wundern!
Auf dem Weg durch diesen Basar fanden sie in all dem Unlesbaren ein Schild mit “Performance“ und ließen sich von „Hübschen“ in uighurischer Heimattracht, verführen mit dem Aufzug in den vierte Stock zu fahren, traten ein in eine Halle ähnlich wie im Kölner Gürzenich mit Tischreihen zur Faschingszeit. An einem reichhaltigen Buffet, konnten sie auswählen und sich mit vorzüglichem Rotwein versorgen, und ,- ,oh welch ein Glück“ – mit Messer und Gabel schmausen, während eine zu Herzen gehende Tanzaufführung mit rollendem Programm ablief. Ballettartiger Volkstanz und Liedervorträge vor dem uns von der Fahrt her vertrauten Hintergrund des schönen Ugeda-Wenquan-Sees mit Kühen, Kamelen und den Pferdchen - ganz wie wir es am Tag nach der Einreise nach China erlebten, oder vor Kulissen von fantastischen Palästen mit Bauchtänzen etc.
Der nächste Morgen sollte uns zum Provinzmuseum führen. Jedoch: Auch dem ersten Hotel am Platz war nicht bekannt, daß es „hitzefrei“ macht. Nicht einmal mit Dollarwinken war die Direktion zu einer Sonderführung zu verführen - die Klimaanlage war ausgefallen. Also unverdrossen nochmals in den Basar gestürzt für die diesbezüglich Unstillbaren. Inmitten der oben beschriebenen Basaranlagen steht eine riesighohe Moschee mit vier hohen Minaretten und einem noch größeren Turm daneben. Doch, welch Erstaunen: Die Moschee hat alle Tore auf für kaufinteressiertes Publikum mit allem was Edel-Basare so anbieten. Der Aufgang zur im ersten Stock liegenden Moschee ist klein, versteckt hinter einer Ecke, nur von Eingeweihten auffindbar.
Es gelang uns jedoch nach längerer Verhandlung über den Zweck des Besuches und unter Zahlung von Eintrittgeldern ohne Eintrittskarte die Genehmigung zum Zugang über diese Hintertreppe zu erlangen. Dort ging es dann auch wesentlich strenger zu als in allen der bisher besuchten Moscheen auf unserer Reise. Wir zwei, schon mit einer gewissen Moschee-Erfahrung gebildet, durften nur in den Vorraum, der durch Vorhänge - wohl für Frauen? – abgetrennt war, betreten. Die Türen zum großen Kuppelbau wurden aber geöffnet und wir wurden zum Fotografieren aufgefordert.
Eine menschliche Annäherung macht vieles möglich. Eine menschlich ungewünschte Annäherung musste dagegen eine Teilnehmerin verkraften: Ihr für Vorträge schon wohlgefülltern Fotoapparat wurde zwischen 20.30 und 23.30 Uhr aus dem Zimmer des Nobel- Hotels entwendet. Was soll’s? Auferstanden aus Ruinen: Auch am Sonntag konnte Ersatz beschafft werden und der Ärger mit Nachforschungen wurde allen Beteiligten erspart… Alle Achtung, wer sich den schönen Tag dadurch nicht vollkommen versauern lässt!
Erstaunlich des Weiteren in diesem Vier-/Fünf-Sterne Hotel und anderen, dass die diversen Arten von Massagen hier im dafür komplett genutzten dritten und vierten  Stockwerk „24 Stunden lang“ angeboten werden. Interessierte mussten dabei feststellen, dass in Deutschland diese Art Etablissements eher in St. Pauli zu finden sind. Auch „Verhüterli“ gehören nicht nur in diesem Hotel offenbar zur normalen Badezimmerbestückung.
Apropos Einkäufe: Das staatlich geführte Hotel hat im Parterre geschmackvolle Einkaufsläden, die schon lang vor einer frühen Abreise geöffnet sind und auch dem Spätheimkehrer in der Nacht teils vorzügliche Mitbring-Geschenke und auch antike Dinge anbietet, die für den, der sich aufs Handeln einlässt, bis unter die Hälfte des ausgezeichneten Preises fallen und Käufer wie Verkäufer glücklich werden lässt.
Weiter geht es in unserer Avanti-Bus-Heimat. Immer wieder wird ein Foto-Halt eingelegt auf den Fahrstrecken, sodass mit Lockerungsübungen alle Bedürfnisse befriedigt werden können. ln China bisher mit vorzüglicher Hygiene.
So machten wir auch Fotostopp in dem laut Reisebuchführer „größten Windpark der Welt“ angeblich mit 80 mal 20 Kilometer Ausdehnung, der uns jedoch allenfalls mit 1,5 mal 3 Kilometer darbot (diese Superlative…!).
Ein weiterer Halt an einem großen Salzsee am angeblich 8nach dem Toten Meer) zweittiefsten Ort der Welt…( wieder solch kaum verifizierbar-törichter Touristen-Superlativ!). Er bietet uns eine große Überraschung: Fernab von jeglicher Wohnbebauung stehen wir vor einem modernen, zunächst nicht definierbaren tempelartigen Gebäude unerwarteter Dimension. Es bietet sich als Salz-Heil-Erholungs-Bad an. In einer großartigen, mit Kirschblüten an knorrigen Stämmen dekorierten Empfangshalle begrüßt uns eine Art Stewardess. Wir werden zu einem, Esssaal in einem Mangrovenwald und Salzwasserflüsschen samt Brückchen und einer Tanzfläche geführt, weiter über eine Marmortreppe an Räumen vorbei, in denen Frauen nach heißer Dampfdusche in einem Salzstrand eingegraben werden, und schließlich in die Badehalle mit freiem Blick auf den Salzsee, mit fünf großen nierenförmigen Schwimmbecken unterschiedlichen Salzgehaltes, zwischen Palmen, alle Räume klimatisiert überdacht. Hier ließe sich’s einen halben Tag gut aushalten, - wie an vielen (nicht allen) Orten unserer großen Reise.
Das Reisen ist eine helle Freude, so wie wir es hier betreiben. Wir haben ja zwei Kapitäne an Bord. Wenn der eine das Steuer hat, dann trägt er die volle Verantwortung und die Entscheidungen in Abstimmung mit dem jeweiligen Reisebegleiter des Landes. Das Zusammenspiel zwischen Hans Peter und Alain ist super und Ina sorgt für das Öl im Getriebe! Und das Kennenlernen untereinander in der Gruppe bereitet mehr und mehr Freude. Nur noch drei Wochen - eigentlich schade!
Hans-Werner von Wedemeyer
13.07.2008
Post vom Chef aus China!
Viele Fragen zu den letzten Tagen erreichen mich derzeit per eMail und SMS. Deshalb möchte ich hier einen kurzen Zwischenbericht geben:
Wie es uns bis Bishkek erging, lässt sich im SWR2-Beitrag von Peter Stephan anhören (siehe unten). Nervenaufreibend war eine Grenzsperrung bei Taschkent und der daraus resultierende Zeitverlust von annähernd sechs Stunden, weil wir wieder nach Westen, fast bis Samarkand fahren mussten, zusätzlich zu den beiden Grenzübertritten, die insgesamt rund sieben bis acht Stunden in Anspruch nahmen. Und zu alledem passierte noch das Unglück, dass einer unserer Mitreisenden bei einem Pausenstopp in der Dunkelheit der Nacht in eine Baugrube stürzte und sich dabei den Arm brach. So waren wir von Taschkent bis Bishkek alles in allem gute 24 Stunden unterwegs! Und während sich die einen dann am Dienstagmorgen gegen sieben endlich ins Bett legen konnten und die anderen um zehn mit einem angemieteten Kleinbus zum Issikkul See fuhren, waren Sergej, unser kirgisischer Reisebegleiter, Irina, die dolmetschte und Ina als Begleitung zusammen mit unserem Verletzten bis in die Nachmittagsstunden im Krankenhaus damit beschäftigt, den gebrochenen Arm versorgen zu lassen. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, bei einigen zumindest und die Nerven lagen bloß, auch weil wir noch einmal nach Kasachstan einreisen mussten, um die einzige für uns offene Grenze nach China zu erreichen.
Am Mittwoch fahren wir dann gegen halb acht los, lassen die Ausreiseprozedur der Kirgisen über uns ergehen, warten weitere Stunden, bis die Kasachen unseren Sergej von Schalter zu Schalter für die Ausstellung der notwendigen Buspapiere herumgeschickt haben, aber wir sind noch vor Mittag in Kasachstan! Und welch ein Wunder: von der Grenze bis nach Almaty ist die Straße in einem guten Zustand!Â
Nach den vergangenen gut 1800 Kilometern auf Straßen, die diese Bezeichnung nicht annähernd verdienten, können wir auf einmal wieder achtzig, neunzig, manchmal sogar Hundert fahren! Das Land links und rechts der Straße ist weit und offen und über viele Hundert Kilometer kaum besiedelt, berittene Hirten ziehen mit ihren Kühen und Schafen durch die Steppen, Herden von frei lebenden Pferden tauchen auf, immer wieder bilden Jurten die einzigen Fixpunkte im braungrünen Meer. Und rechts in der Ferne begleitet uns das Tien-Shan-Gebirge.
In Almaty stößt schließlich Linus Schlüter zu uns, unser Reiseführer für den chinesischen Teil der Reise, der von “China-by-Bike” organisiert wird. Linus ist ein echter Gewinn, klar und strukturiert, mit vollem Einsatz und Leidenschaft bei der Sache. Erleichterung macht sich breit bei allen in unserer Gruppe, schließlich werden wir über vier Wochen zusammen sein. In Zarkent, kurz vor der chinesisch-kasachischen Grenze schließlich, treffen wir gegen neun Uhr abends ein. Unsere Gruppe ist verteilt auf zwei private Gästehäuser, sie sind liebevoll gepflegt und pieksauber, so ganz anders als manches der “besten Häuser am Platze” der vergangenen Tage in den ehemaligen Sowjetrepubliken.
Donnerstag: Heute ist der große Tag! Die Einreise nach China steht auf dem Plan.
Um halb sieben brechen wir auf, wir haben eine Stunde noch zur Grenze zu fahren. Sergej, unser Kirgise, dem wir die trotz allem relativ ”unproblematischen” Grenzübertritte der vergangenen Tage verdanken, darf uns nicht zur Seite stehen, bis wir die kasachische Grenze hinter uns haben. Sperrgebiet, nur wer ein Visum nach China vorweisen kann, darf den ersten von drei Grenzposten passieren. Um halb acht sind wir beim ersten Posten, ein Zöllner schickt uns auf einen Parkplatz; auf dem bereits chinesische Busse warten. Alles aussteigen, Kontrolle, ob alle ein chinesisches Visum besitzen. Nach einer Viertel Stunde fahren wir weiter. Niemandsland. Nächster Posten, nächster Parkplatz. Alle müssen im Bus bleiben. Noch zehn Minuten Wartezeit, dann mache die Grenze auf. Punkt acht bedeutet uns der Zöllner, weiterzufahren. Kurz darauf stehen wir wieder vor einer Schranke. Wieder erfolgt eine Passkontrolle, diesmal im Bus, dann wird uns bedeutet, den Bus neben einem großen Gebäude abzustellen und uns ins Innere zu begeben. Wir gesellen uns zur Menge, die bereitsÂ
wartet. Werden zur Seite gedrängt, Busladung um Busladung ergießt sich in den Raum, alle haben ihr Gepäck dabei. Wir nicht. Unseres ist noch im Bus. Wir könnten aber auch gar nicht mehr zurück. Hunderte an Reisenden sind es mittlerweile, von allen Seiten drückt und drängt es zur Tür, die noch verschlossen ist. Wir sind weit vorne, aber es wird uns nichts nützen. Nach einer Viertelstunde öffnet sich die Tür einen Spalt breit, von hinten drückt es, dass ich kaum noch Luft bekomme, die ersten fünf drängen durch den Spalt, brutal wird die Tür wieder verschlossen. Wieder fünf, dann die nächsten fünf. Das Gedränge wird schier unerträglich, menschenunwürdig, viehisch, unter den Augen derGrenzer lassen die kasachischen und chinesischen Busfahrer nur “ihre” Leute hinein. Aber irgendwann sind auch wir alle drin, haben unsere Ausreisestempel. Ohne Gepäck. Das ist im Bus geblieben, die Ausreisebeamten haben das nicht bemerkt. Welch ein Glück!
Dann werden Alain und ich zum Bus gebeten. Blick ins Innere, der Drogenhund läuft entlang, dann zum ersten Schalter, das Papier, das ich für den Bus zur Einreise erhielt, wird gestempelt und einbehalten. Nächster Schalter, keine Ahnung, was da passiert, ich bin in Begleitung eines jungen Soldaten, der ein paar Worte Englisch spricht. Aber zu wenig. Zurück in die große Halle, in der wir die Ausreisestempel erhielten. Eine junge Zöllnerin fragt in etwas besserem Englisch nach Papieren für den Bus. Ich erkläre, dass ich das einzige Papier, das ich bei der Einreise erhalten hatte, bereits abgegeben habe. Der Soldat erhält Order, begleitet mich zurück, spricht mit dem Beamten. Problem-Problem, Papier-Papier. Dazwischen Telefonate mit Vorgesetzten, dann wieder Problem-Problem, Papier-Papier. So geht das eine gute Stunde, schließlich kommt ein weiterer Beamter, der mich in sein Büro mitnimmt. Ich kürze ab, denn die Geschichte wird endlos und ist nicht spannend. Ich bezahle schließlich 200 USD “Straff” (das Wort fällt immer wieder), für was auch immer, und pünktlich um 12.00 Uhr darf ich gehen. Kann die Gruppe endlich ausreisen. Ist alles geregelt! Seit 8 Uhr sind wir hier! Endlich geht es weiter! Denken wir.
12 Uhr mittags heißt nämlich auch, dass vor unseren Augen der Grenzposten, der uns ausfahren hätte lassen können, das Tor verschließt, während der Bus darauf zu rollt. Mittagspause bedeutet er uns und lässt den Bus 100 Meter zurückfahren. So warten wir weitere zwei Stunden. Vertun nutzlos weitere zwei Stunden, bis der Posten wieder erscheint und das Tor aufschließt, das er vor unseren Augen dicht gemacht hatte. So brauchen wir alleine sechs Stunden für die Ausreise. Außentemperatur gegen 14 Uhr übrigens rund 36 Grad im Schatten. So viel zum Selbstverständnis kasachischer Zöllner im Umgang mit Reisenden. Ich bin gespannt, wie das wird, wenn Alain und ich den Bus leer zurückfahren.
Schließlich passieren wir den letzten kasachischen Kontrolleur. Aber Durchatmen geht noch nicht. Im Schritttempo nähern wir uns dem ersten chinesischen Posten. Das Erstaunen, als wir auf ihn zurollen, ist ihm ins Gesicht geschrieben. In seinem runden Gesicht steht der Mund weit offen. Dann bedeutet er uns, anzuhalten. Linus redet auf ihn ein, ungläubig telefoniert er, entspannt sich, beginnt zu lächeln, schaut schließlich mit lachendem Gesicht in den Bus. Er kann es nicht fassen. Ein ganzer Bus voller Langnasen aus Europa! Dann dürfen wir weiterfahren, zum nächsten Posten. Gleiches Spiel: Unglauben, Telefonat, lächeln, lachen, weiterfahren zum nächsten Halt, schon in Sichtweite der Abfertigungshalle, und schließlich weiter bis zum großen Gebäude. Dort tauchen auch die beiden Chinesen auf, die uns begleiten werden.
Ein großes “Hallo” mit den neuen Begleitern, und alles wirkt wie ein Wunder: freundliche Zöllnerinnen und Zöllner, eine klimatisierte Halle mit vor Sauberkeit blitzenden Böden, ein einfaches Prozedere, ein warmherziger, freundlicher Empfang. Nur die Koffer, die müssen wir ausladen, durch den Zoll tragen und kontrollieren lassen. Zum ersten Mal auf dieser Reise. Aber alles ist ganz einfach. Wir werden bestaunt, gefragt, fotografiert, ich muss mein Laptop öffnen, und diese Kontrolle wird zu einer Diashow der Reise. Vier Zöllner und eine Zöllnerin stehen um mein Laptop, sehen die Bilder von Griechenland, Istanbul, Isfahan, und immer wieder muss ich ihnen auf einer Landkarte zeigen, wo die Bilder aufgenommen wurden.
Richtig viel Zeit, nämlich gute zwei Stunden, nimmt dagegen die Durchsicht des Busses in Anspruch. Alles wird kontrolliert, wir fahren durch eine “Waschstraße”, in der der Bus nicht gewaschen, sondern desinfiziert wird, und auch der Innenraum wird eifrig besprüht und eingenebelt. Außerdem brauchen wir noch die Genehmigung, um in die nächste Stadt zum Hotel und morgen in die Kreisstadt zur Zulassungsbehörde fahren zu dürfen. Denn wir sollen den Wagen technisch überprüfen lassen, chinesische Nummernschilder bekommen sowie chinesische Führerscheine. Aber alles ist den Behörden seit langem angekündigt und avisiert, die Papiere geschrieben, die Termine gemacht, darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken mehr.
Denn wir sind in China! Wir haben es geschafft! Was seit eineinhalb Jahren wie ein fast unüberwindbarer Berg vor mir lag und viele schlaflose Nächte bereitete, es ist überwunden! Wir haben auf dieser Pionierfahrt, der ersten durchgängigen Reise in einer Gruppe mit einem Omnibus von Deutschland bis nach China die schwierigsten Hürden hinter uns gebracht.
Hans-Peter Christoph
13.07.2008
Die Karawane zieht weiter…
Mail von Hans-Peter Christoph: Sonntag, 13. Juli, 4.50 Uhr (MEZ):Â
“Uns geht’s’ gut. wir haben es tatsächlich geschafft! Freitag waren wir beim TÜV für den Bus und auf der Führerscheinstelle (mit Sehtest). Jetzt haben wir chinesische Führer- und Fahrzeugscheine, Nummernschilder - und ich bin Franzose laut Papieren. Aber ich hätte es nicht gemerkt, wenn unser Guide den Schein nicht übersetzt hätte…”
ACHTUNG: Neuer Blog-Eintrag von Hans-Peter Christoph unter “Buchara, 06.07.2008″
Foto von Anatoli Reklin: “Kurz hinter der chinesischen Grenze auf der Fahrt nach Urumqi”
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11.07.2008
In China!
Donnerstag, 10. Juli, 12.30 Uhr: SMS vom “Chef”, Hans-Peter Christoph:
“Geschafft! Wir sind in China! Es ist hier 18.30 Uhr.”
Na, dann Glückauf oder wie das auf Chinesisch heißt!
Sigrid Hofmaier


