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Monatsarchiv für August 2008

athen-peking

Zehnter Rückreisetag: Iran

Gar nicht schlecht, dieser Zwangsaufenthalt. Es ist später Nachmittag und wir haben unverhofft ein paar Stunden frei, nachdem wir uns nun schon seit über einer Woche von früh bis spät mit schlechten Straßen und Zöllner herumgeschlagen haben.

 

Dass der Iran das exotischste Land der ganzen Reise ist, wird uns klar, als wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt machen.  Obwohl es eine Grenzstadt ist und die Menschen folglich an Fremde gewöhnt sein müssten, werden wir angestarrt, wie auf der ganzen Reise noch nicht, außer vielleicht, als wir vor acht Wochen hier im Iran in  Mashhad waren. Mitteleuropäer sind in Iran äußerst selten zu sehen, außer den wenigen, die auf Studienreise sind, aber dass Leute aus dem Westen hier, im äußersten Osten an der Grenze zu Turkmenistan und Afghanistan, sich die Stadt ansehen, kommt sicherlich noch seltener vor. Wer hierher kommt, reist durch und hält nicht an. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, dass Frauen ausschließlich im Tschador zu sehen sind.

 

Was ist das für ein Land, das seine Frauen derartig unterdrückt!? In China und in Kasachstan haben wir viele Muslime gesehen, die Frauen trugen Kopftücher - oder auch nicht. Ebenso war es in Unsbekistan, Kirgistan und Turkmenistan. Freie Frauen, die sich entscheiden, ob Kopftuch oder nicht Kopftuch. Aber hier? Nicht einmal ein Kopftuch ist den Mullahs recht, nein, es muss es dieser schwarze  Tschador sein, wenn die Frauen sich nicht völlig außerhalb der Gesellschaft stellen wollen. Wenn man diese freien Frauen in den anderen zentralasiatischen Ländern, aber auch in der Türkei, in Libyen, Tunesien oder Marokko sieht, selbstbewusst und frei zu Traditionen stehend, dann frage ich mich, wie lange sich hier in Iran die Frauen noch derart unterdrücken lassen? Und der Tschador ist ja nur EIN Symbol für die komplette Überwachung und Unterdrückung der iranischen Gesellschaft…

 

Am Montagmorgen sind wir pünktlich um 8 Uhr beim Zoll. Bis aber unser Zollagent, der die Papiere für die Deklaration des Busses fertig macht, in die Gänge kommt, ist es bereits gegen Mittag, und bis wir alle Stempel haben, schon halb zwei. Ein neuer Rekord: 23 Stunden haben wir an dieser Grenze verbracht.

 

Hans-Peter Christoph

 

Fotos von Hans-Peter Christoph (”aus dem Bus”):

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In Mary können wir erst einmal ausschlafen, denn wir müssen im Lande registriert werden, und das kann bis 9.30 Uhr dauern. Es ist ein wunderschöner Tag mit angenehmer Temperatur, als wir gegen 8 Uhr im Schatten eines Baumes draußen vor dem Hotel frühstücken. Im Garten des Hotels, in den Grünanlagen der Stadt, in den Gärten auf der gegenüberliegenden Straßenseite, überall sind Frauen damit  beschäftigt, die Blumenpracht zu gießen. Und was für schöne Frauen: hochgewachsen, schlank und sehr aufrecht gehend, in bunten, bodenlangen, schmal geschnittenen Kleidern, die sie auch zur Feld-  oder Gartenarbeit tragen, dazu oftmals der Kopfschmuck, der die Silhouette noch einmal streckt.
Gegen 10 Uhr ist die Registrierung abgeschlossen und weiter geht es überwiegend zwischen Baumwollfeldern Richtung Iran. Die Baumwollernte hat bereits begonnen, auf den Feldern sind die Menschen mit dem Pflücken beschäftigt.
Einfach gestaltet sich die Ausreise aus Turkmenistan: Es ist Sonntag und außer einigen wenigen LKWs sind wir die einzigen, die in den Iran wollen. Wir sollen unser Gepäck ins Gebäude bringen, damit es untersucht werden kann. Jeder von uns nimmt eine Tasche oder einen Koffer und legt ihn auf das Band zum Durchleuchten. Das war’s auch schon. Keine Durchsuchung des Innenraums, kein Öffnen des Bus-Kofferraums, wo wir den Großteils unseres Gepäcks und unsere Souvenirs haben. Dann passieren wir den Grenzfluss und erreichen den iranischen Zollhof. Ein komplett anderer Menschenschlag tritt uns entgegen. Dunkler, mit schärfer geschnittenen Zügen, selbstbewusster als die Leute in Zentralasien. Die Grenzer empfangen uns sehr freundlich und derjenige, der für die Pässe zuständig ist, erinnert sich sofort daran, dass wir vor ein paar Wochen in die andere Richtung gereist sind. So sind die Passformalitäten rasch erledigt, aber den Bus heute einzuführen sei heute unmöglich, nicht weil Sonntag ist, - in Iran gibt es keinen Sonntag, dort wird am Freitag nicht gearbeitet - nein, heute sei ein hoher muslimischer Feiertag, die für die Zolldeklaration zuständigen Beamten haben frei, die Grenze sei nahezu unbesetzt. Es ist nachmittags gegen halb vier, als definitiv klar ist, dass tatsächlich niemand aufzutreiben ist, der die Formalitäten erledigen könnte. Eine Stunde später hat unser netter Grenzer Feierabend und nimmt uns ins Grenzstädtchen zum einzigen Hotel in der Gegend mit.

Hans-Peter Christoph

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athen-peking

Iranischer Sonntag

Sonntag, 17. August, 15.55 Uhr: SMS von Hans-Peter Christoph

“Sind in Iran, aber ohne Bus. Der kann nicht deklariert werden, da Feiertag. Gestrandet in Sarraks an der Grenze. Neuer Tag, neues Glück! Uns geht’s aber gut!”

Gute fünf Stunden sind wir von Samarkand über Buchara zur uskebisch- turkmenischen Grenze unterwegs. Die Ausreise geht relativ zügig vonstatten, nach einer Dreiviertelstunde sind wir kurz nach ein Uhr mittags draußen und stehen vor der Schranke der Turkmenen. Der Schrankenwärter kreuzt die Arme, als er uns sieht und bedeutet uns, dass bis zwei Uhr Mittagspause sei. Aber bis um 14 Uhr sind eine Menge anderer Menschen eingetroffen, die ebenfalls über die Grenze wollen. Ein unbeschreibliches Geschiebe und Gedränge entsteht,  dazwischen ein junger Zöllner, der die Massen anbrüllt und mit Gewalt von der Treppe, die zu dem Einreisebüro führt, hinunterstößt. Eine widerliche Szene, ich bin froh, dass dabei niemand zu Boden stürzt und von der Menge getreten wird. Mehrfach taucht er auf, und brüllt uns an, zurückzugehen und nicht zu drängeln. Dann werden wir vier  Touristen von ihm herangewunken, müssen uns nach vorne drängeln und sind im Gebäude. Wir sind erleichtert. Aber nicht lange: Als der Beamte, der die Pässe kontrolliert, feststellt, dass wir ein normales Touristenvisum, und kein Transitvisum besitzen, werden wir auf sein Geheiß vom “brüllenden Zöllner” unwirsch wieder nach draußen geschoben, hinter all die anderen wartenden Menschen, die einreisen wollen.  Ein Grund für dieses Verhalten ist für uns nicht ersichtlich. Später höre ich, dass an dieser Grenze vor ein paar Jahren noch 50 Dollars Bakshish notwendig waren pro Touristenpass, der bearbeitet werden sollte. Für uns heißt es nun jedoch, wieder zu warten und diese neuerliche Schikane zu ertragen. Als die große Menge abgefertigt ist, “dürfen” auch wir hinein. Bis schließlich auch der Bus kontrolliert und abgefertigt ist, zeigt die Uhr auf vier. Dreieinhalb Stunden. Kein Bakshish.

Turkmenabad scheint im Hochzeitsfieber zu sein. Überall sind Hochzeitsgesellschaften zu sehen. Viele Menschen, die sich vor den neuen, großen, repräsentativen Gebäuden der Stadt eingefunden haben mit den Brautpaaren, die sich davor ablichten lassen. Wir verlassen die Grenzstadt, nicht ohne einen Polizeiposten passiert zu haben, fahren an die viereinhalb Stunden durch das große Naturreservat und treffen gegen 21 Uhr in Mary ein.

Hans-Peter Christoph

athen-peking

Tschüss bis Mittwoch

Über die letzten Stunden in China und den Grenzübertritt nach Kasachstan könnt ihr Hans-Peters Eindrücke unter dem Datum 13.08. lesen. Heute (15. August) sind die rasenden Rückreisenden bereits in Samarkand, wollen morgen in Mary (Turkmenistan) sein und ab Sonntag, 17. August drei Tage durch Iran fahren. In dieser Zeit gibt’s laut “Scheff” keine neuen Reiseberichte. Also freuen wir uns auf Mittwoch, 20. August!

Das ist ein besonderer Tag, denn da lauschen alle Fans von 10 bis 12 Uhr dem Ex-ARD-Korrespondent und Reiseteilnehmer Peter Stephan: Er berichtet in der SWR1-Sendung “Leute” von einer Fahrt, die so noch nie stattgefunden hat: im Reisebus von Europa nach China. Natürlich im roten Avanti-Bus!

Wir sind sehr gespannt…

 … und können jetzt schon sparen auf Avanti Schanghai 2010!

Sigrid Hofmaier

Rund 200 Kilometer sind es bis zur Grenze nach Usbekistan, westlich von Taschkent. In Mitteleuropa wären wir in guten zwei Stunden dort. Nicht so in Zentralasien. Zum Einen sind es die uns schon ekannten Rumpelstraßen, die Stalin bauen ließ und die seitdem nur notdürftig ausgebessert wurden und keine höheren Geschwindigkeiten zulassen, zum anderen sind es die unzähligen Polizeiposten, die Fahrzeuge herauswinken. Nicht zur Verkehrskontrolle, sondern um Schmiergelder abzukassieren. Uns lassen sie meist passieren, wir sind einfach zu exotisch in diesem Land, in dem der jüngste Bus mindestens 20 Jahre alt ist. So werden wir an diesem Morgen nur vier Mal gestoppt.

Seit 28 Jahren, seit ich beruflich auf den Straßen des Balkan  und Südosteuropas, im Vorderen Orient und Nordafrika unterwegs bin, war ich Hunderte Male dieser Situation ausgesetzt.  Die Polizisten winken 
einen heraus und lassen einen erst einmal stehen. Warten macht mürbe, denken sie. Dann erst bewegen sie sich langsam auf einen zu. Ein Grund für einen Strafzettel findet sich immer. Die nicht vorhandene Mittellinie habe man überfahren oder im Überholverbot überholt, oder sei einfach “zu schnell” gewesen, was immer das heißen mag. Ausgiebigst werden dann die Fahrzeugpapiere und der Führerschein studiert. ”Straff, Straff” heisst es dann, es wird ein Formblatt herausgeholt,  das “Straff, Straff” wiederholt, dann sagt der Polizist, was das kosten soll und man redet beschwichtigend auf ihn ein. Denn was er als “Straff” haben will, z.B. umgerechnet 50 US- Dollar, ist ein Witz angesichts der Tatsache, dass man nichts Regelwidriges begangen hat.  Diskussionen in dieser Hinsicht, ob Recht oder Unrecht, ob da was war oder nicht,  sind völlig zwecklos, wenn man nicht Stunden aufgehalten werden will. Und die nächste Kontrolle kann ja schon zehn Kilometer weiter auf einen warten. Und es geht ihm ja nur um sein Bakshish, und nicht um einen offiziellen Strafzettel. Eventuell ist es mit einer Schachtel Zigaretten getan, aber fünf bis zehn Dollars - in kleinen Scheinen vorgezählt - tun es auch. Unsere erste Kontrolle an diesem Tag kostet uns eine Halbliterflasche Olivenöl, die ich noch aus Griechenland fürs Picknick dabei hatte. Für angeblich zu schnelles Fahren.

Bei der nächsten Kontrolle zeigt mir der Polizist ein Bild von unserem Bus auf seiner Radarpistole, das besagt, dass wir 68 km/h  schnell gefahren sind. Seiner Meinung nach gehört diese freie Strecke zu einem innerörtlichen Gebiet.  Bakshish hier: 10 Dollar.  An den nächsten beiden Kontrollstellen zeigen sich die Polizisten aber nur an dem Bus interessiert. Das kostet uns dann nichts, und wir bieten ihnen freundlich eine chinesische Zigarette und ein paar Postkarten von unserer Seidenstraßentour an.

Auch bei der Ausreise aus Kasachstan erfüllen die Zöllner wieder einmal jedes einzelne Klischee, das über zentralasiatische Grenzbeamte kolportiert wird: Im Bereich der Schranke zum Zollhof vorgefahren, werde ich - obwohl kein weiteres Auto oder vielleicht sogar ein anderer Bus in Sichtweite ist -erst einmal weggeschickt, den Bus weiter weg zu parken. Danach dürfen wir zu dem etwa 500 Meter entfernt liegenden Zollgebäude gehen, in dem ich auf dem Hinweg schon einige Stunden mit Warten verbracht hatte. Zunächst herrscht große Aufregung, dass vier Touristen zu Fuß erscheinen und mit einem großen Bus ausreisen wollen. Dann erhalte ich einen Laufzettel. Sechs verschiedene Schalter muss ich “abarbeiten”, dokumentiert wird das auf dem Laufzettel mit Datum, Uhrzeit und Unterschrift des bearbeitenden Zöllners. Interessant ist, dass die Daten bereits ausgefüllt sind, also Datum und die Uhrzeit, zu denen ich den jeweiligen Posten aufgesucht haben soll. Laut Laufzettel komme ich um 12.02 Uhr zum ersten Beamten, um 12.06. Uhr bin ich beim zweiten, dann beim dritten… Verlassen habe ich das Gebäude  laut Laufzettel und Unterschrift um 12.58 Uhr. Tatsächlich sind wir um 11.30 Uhr
erschienen. Und, um mich nicht mit allen Einzelheiten aufzuhalten,  die kasachischen Ausreiseformalitäten sind mit vielen sinnlosen Schikanen, einigen unwirschen Grenzern und der obligatorischen Mittagspause um 14.45 Uhr erledigt. Bei etwaigen Beschwerden hätte man jedoch den Nachweis, dass ich in weniger als einer Stunde fertig gewesen wäre. Gebraucht habe ich jedoch 3 Stunden und 15 Minuten. Muss ich noch erwähnen, dass das Öffnen der Schranke 5 US-Dollar kostet,  bei der weiteren Schranke ebenfalls 5 Dollar dem Zöllner in die Hand zu drücken sind, bei der Fahrzeugkontrolle eine Schachtel Zigaretten “verschwindet” und der Getränkevorrat reduziert wird? Schließlich ist es heiß, an die 35 Grad…

Etwas schneller geht es bei den Usbeken, aber auch da öffnet sich die Schranke erst, nachdem mir der Schrankenwärter bedeutet, dass ich ohne Dollars noch etwas warten müsse. Bevor ich den Zollhof jedoch verlassen kann, ist noch eine ”Ökosteuer” für die Luftverschmutzung des Busses zu bezahlen. Unser Bus erfüllt die Euro-5-Abgasnorm, die in Europa erst in eineinhalb Jahren eingeführt wird, das Modernste und Sauberste, das es gibt. Wer die schwarzrauchenden Stinkerbusse und LKWs des Ostens kennt, ist froh um jedes Bemühen um saubere Luft in Usbekistan. Aber dass wir mit unserem “Zukunftsbus” zu bezahlen haben, ist schlicht ein Witz!  Dass diese Steuer nur ein weiteres Bakshish ist, erkenne ich, als der Grenzer mit sich handeln lässt: Auf drei Dollars lässt er sich schließlich ein, anstatt der geforderten 15 Dollars…  Ohne Quittung  selbstverständlich.

Wir kommen schließlich bis Samarkand, dann wird es dunkel, und das Hotel in der Nähe des Registan-Platzes kennen wir. Alles ist sehr vertraut.

Hans-Peter Christoph

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Sechster Rückreisetag: Kasachstan

Der nächste Morgen bringt ein böses Erwachen: Das hintere Nummernschild wurde in der Nacht abmontiert und derart zersägt,  dass nun die Zulassungs- und TÜV-Plakette fehlen. Die beiden Teile des 
Nummernschildes wurden wieder mit Plastikbändern an der Heckklappe befestigt, in die Schlaufe eine Paprika gesteckt. Da das Heck sehr staubig ist, sieht man, dass zwei Männer an den Bus gepinkelt haben. Damit nicht genug: Tief in den Lack der Kofferraumklappen der linken Seite des fast neuen Busses haben die Täter gekratzt. Das wird eine richtig teure Reparatur. Mal sehen, was wir noch entdecken, wenn der Bus wieder richtig gewaschen ist. Unsere positive Stimmung zu den Kasachen ist hin.

Aber die Landschaft, die wir durchfahren, ist traumhaft schön. Eine weite, einsame Steppen- und Graslandschaft, immer wieder sind Herden von frei lebenden Pferden auszumachen, dazwischen Kühe, Kamele, einsam steht irgendwo eine Jurte, ist in der Ferne ein einzelner Reiter zu sehen. Dann kommen wir durch ein Dorf in einer Fluss-Aue mit weit dahin gestreuten Gehöften, dazwischen Hunderte von Pferden, grasend, am Fluss trinkend, nichts stört den Frieden dieses Morgens unter einem unendlich scheinenden Himmel.

Als wir Alma Ata erreichen, erscheinen wieder die Fünftausender des Tienshan, das uns bereits Tausende Kilometer zuvor in China begrüßt und begleitet hatte, majestätisch mit ihren weißen schroffen Gipfeln. Hier wird auch der Verkehr wieder so richtig dicht, und fast haben wir den Eindruck, uns in Westeuropa zu befinden. Viele halten sogar an, wenn ein Fußgänger am Zebrastreifen die Straße queren will. Dann geht es wieder  durch die Steppe, immer wieder sehen wir riesige Herden frei lebender Rinder und Pferde in der unendlich scheinenden Weite dieses Landes, die lediglich von den Bergen rechts am Horizont begrenzt wird. Hier leben die Herden im Einklang mit der Natur zusammen mit ihren Kälbern und Fohlen. Dazwischen immer wieder auch eine Vielzahl von Kamelen und gelegentlich ein, zwei Viehhirten, die auf ihren Pferden alles überwachen. Kasachstan ist ein sehr, sehr dünn besiedeltes Land. Als es dunkel wird, sind wir kurz vor Shimkent. An einer Tankstelle finden wir ein ruhiges Plätzchen und schlafen diese Nacht im Bus.

 Hans-Peter Christoph

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Nachlese…

Liebe Busblogfans,

unter dem Datum 8. August gibt es jetzt viele neue “alte” Peking-Fotos von Margrit Heyn und unter dem 9. August von Roland Lorenz von den “letzten Tagen” in China.

Die Rückfahrer haben heute die Grenze nach Kasachstan innerhalb einer Stunde passiert und sind wohlauf. Nachdem wir sie in den letzten Tagen prima von oben beäugen konnten, ist jetzt erstmal wieder Funkstille angesagt. Na, wir werden ja bald wieder lesen können, wie’s ihnen geht.

Herzliche Grüße an alle Ex-Seidenraupen, Heimraupen, Sättigungsbeilagen und Langstreckenrückfahrer aus der südbadischen Fastschonherbstnacht (125 Tage vor Avantiweihnachteninandalusien)!

Sigrid Hofmaier

athen-peking

Fünfter Rückreisetag: Kasachstan

Heute möchten wir über die Grenze nach Kasachstan, entsprechend nervös bin ich am Morgen. Frühstück im Hotel, danach geht unser Uigure die ersten Ausfuhrerklärungen für den Bus abzugeben. Für uns gibt es dabei nichts zu tun. Wir füllen das Wasser für die Bustoilette nach, warten eine Zeit, stehen herum und rauchen, putzen ein bisschen am Bus rum und warten wieder. Dann laufe ich um den Block auf der Suche nach Brot, frischem Fladenbrot. Es ist unser letzter Tag in China. In Yining - wie in den meisten Großstädten Chinas - sind Elektrofahrräder, -mopeds und -roller schwer in Mode. Lautlos rollen sie heran und erschrecken uns, die wir nicht daran gewohnt sind.  Die Straßen der modernen Städte (und die meisten Städte sind groß, modern und im rasanten Wachstum begriffen) sind breit großzügig und für noch viel, viel mehr Verkehr angelegt, denn für unsere Verhältnisse sind die Straßen immer noch relativ leer. Nur in Peking hatten wir innerstädtische Staus. Oft sind es drei Fahrspuren die in eine Richtung führen, manchmal sogar noch mehr, und daneben links wie rechts noch einmal kleinere Straßen, die die Häuser und Geschäfte erschließen, und auf denen die Anlieger, Fußgänger, Radfahrer und Elektromobile unterwegs sind.

Der Verkehr auf den Straßen ist relativ langsam, innerorts darf maximal 40 km/h gefahren werden, aber oftmals schleichen die Autos auf der dritten, linken Spur im Schneckentempo dahin. Ein Rechtsfahrgebot ist unbekannt, obwohl auf Autobahnen immer wieder darauf hingewiesen wird, auch in englischer Sprache. So ist meist die linke von drei Spuren von den Langsamsten blockiert, während dann rechts überholt werden muss. Überhaupt kommt es uns so vor, als befänden wir uns auf einem großen Gelände für Autoscooter, auf dem alles erlaubt ist: Gegen den Kreisverkehr fahren, links abbiegen und dabei den Gegenverkehr zum  Anhalten zu zwingen, ohne zu schauen aus Seitenstraßen einfahren, plötzlich zu wenden, gedankenlos Fahrspuren zu wechseln, nie zu blinken, in der Dunkelheit ohne Licht zu fahren, nie den Rückspiegel zu benutzen, zu überholen in zwei, drei Reihen in unübersichtlichen Kurven, gerade außerorts auf den Landstraßen. 

Selbstmörderische Fahrweisen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Wir haben einige Schwerstunfälle gesehen. Andere Verkehrsteilnehmer sind für den chinesischen Autofahrer nicht existent. Dafür wird ausgiebigst gehupt, um das eigene Erscheinen anzukündigen und dem Vorwärtsdrang Nachdruck zu verleihen. Verkehrsregeln gibt es nicht, es ist so, als hätte man lauter Fahranfänger losge-lassen, denen die elementarsten Grundbegriffe zum Überleben fehlen. Jeder fährt, als sei er alleine auf der Welt. Und ist selbst dabei noch hoffnungslos überfordert.

Den ganzen Vormittag ist unser Uigure mit dem Zollamt beschäftigt, weil unser Bus wieder ausgeführt werden soll, erst um halb eins erscheint er wieder. Dann fahren wir Richtung Grenze, vertanken unsere restliche Barschaft. Die 70 Kilometer bis zur kasachischen Grenze kommen wir noch einmal in den vollen Genuss des chinesischen Verkehrs. LKWs kleben mit 20 Sachen auf der Überholspur und werden höchstens, um eine Pause zu machen, irgendwann einmal auf die rechte Spur zur Ausfahrt auf den Parkplatz wechseln. Unterhalb der Ladefläche sind großvolumige Wassertanks angebracht, aus denen in abenteuerlicher Weise Schläuche zu den Radnaben geführt werden, aus denen ein feiner Wasserstrahl spritzt, der die Lager und Bremstrommeln kühlen soll. An allen Steigungen und vor Gefällstrecken leben Leute, deren Einkommen daraus besteht, die Wassertanks dieser LKWs zu füllen. Möglich, dass ein ähnliches Kühlsystem in Europa vor der Wende ins 20. Jahrhundert bestand, aber was und wie es hier auf den Straßen herumfährt, ist nicht beschreibbar. Dabei wirkt das Straßenbild durchaus modern! Die Silhouetten der LKWs und Busse gleichen bis auf die letzte Schraube den unseren, aber das sind keine Mercedes, MAN oder Scanias, sondern haargenaue Kopien! Ebenso beliebt ist es, verschiedene Stilelemente europäischer Busse zu kombinieren: Zum Beispiel Mercedes-Tourismo-Gesicht mit Setra-215-Heck. Die Heckleuchten der neuen Setra Generation sind allgegenwärtig. Das Design großer europäischer 12-Meter-Busse wird auch auf Midibusse übertragen: Da fahren kleine Lion’s Stars herum, kleine Travegos, kleine Neoplans, ganz wie es gefällt. Hier in dieser westlichsten Provinz sind es vor allem Neoplan- und MAN-Kopien, aber auch Kopien der spanischen Omnibusmarke Irizar.

Aufgrund der erst vor wenigen Tagen verübten Anschläge kommen wir kaum vorwärts. Drei Mal müssen wir anhalten, unsere Pässe abgeben. In Korgas, wenige Kilometer vor der Grenze sind weitere Zollformalitäten fällig. Mittlerweile ist es 15.10 Uhr. Und wir sind noch nicht einmal im chinesischen Zollhof bei der Ausreise! Stunde um Stunde hängen wir in einer kleinen Kneipe herum, während unser Uigure beim Amt  nachschaut, wie weit sie sind. Unsere Hoffnung, heute noch ausreisen zu können, sinkt. Direkt neben dem Amt gibt es ein kleines Hotel, wer weiß, wer da zusammenarbeitet. Gegen 18 Uhr ist  klar: Wir müssen bleiben, die Grenze macht bald dicht. Neuer Tag, neues Glück.

Doch dann heißt es plötzlich, wir sollen in den Zollhof fahren. Am Tor werden wir aufgefordert, all unser Gepäck auszuladen. Alain muss zur Halle fahren, in der der Bus gescannt wird. Wir drei sind ruckzuck durch Zoll- und Passkontrolle, erstehen im duty free shopree eine Flasche Bordeaux, für den Fall, dass wir es tatsächlich schaffen durchzukommen, und eine halbe Stunde später erscheint auch schon Alain.

Jetzt wird es spannend, jetzt geht es zu den Kasachen. Der erste Posten lässt uns ohne etwas zu fragen passieren, der zweite Posten, der auf der Hinfahrt demonstrativ das Tor verschlossen hatte, als wir anrollten, winkt uns einladend durch, und vor der Halle, dort, wo wir ca. sechs Stunden mit Warten auf die Ausreise verbracht hatten, stehen an die zwanzig Zöllner, freundlich lächelnd und uns auf Deutsch begrüßend! Wir werden förmlich zur Passkontrolle gedrängt, es geht so etwas von schnell und geschieht in freundlichsten Tönen, dass wir ganz platt sind. Schon während mein Pass bearbeitet wird, kommen mehrere zu mir und sagen gestikulierend - denn weit ist es mit ihrem Deutsch nicht her -, dass die direkte Strecke nach Alamaty gesperrt sei. Ich muss die Karte holen, damit sie einzeichnen können, wie wir zu fahren haben. Sobald ich mit meinem Pass fertig bin, werde ich zu demjenigen geführt, der die Buspapiere erledigen soll. Wieder begegnen mir nur freundlichste Menschen. Nix zu schmieren, keine Kosten, keine Hinhaltetaktik, keine zweideutigen Bemerkungen, kein herablassendes Benehmen, keine Machtdemonstration, es ist unfassbar!

Wir sind die Letzten, die heute aus China kommen und die Jungs wollen Feierabend machen. Das ist wohl der Grund. Das Beste kommt schließlich, als die Papiere fertig sind: Die ganzen Zöllner steigen in unseren Bus, und mit Karacho brausen wir mit unseren stolz winkenden Zöllnern durch die verschiedenen Kontrollpunkte. Nach rund fünf Kilometern steigen sie schließlich aus, dort ist ihre Kaserne.  Geschafft! In rekordverdächtiger Zeit! Kasachstan, so sehen wir Dich gerne wieder! In Zharkent gehen wir ins Hotel, in dem wir schon auf dem Hinweg übernachtet hatten, und öffnen unseren Bordeaux.

Hans-Peter Christoph

Am Mittwoch, 20. August berichtet der langjährige ARD-Auslandskorrespondent und Reiseteilnehmer Peter Stephan  von 10 bis 12 Uhr bei SWR 1 “Leute” über die Avanti-Reise nach China. Er war einer der Ersten, die nach Bekanntwerden unserer Reisepläne in den Fernen Osten spontan gesagt hatten: “Da fahre ich mit.”  Schon während der Reise hat er die Hörer von SWR 2 und SWR 3 laufend vom Fortgang des Abenteuers teilhaben lassen. Auch Roland Schrag, der langjährige Leiter des SWR Studios Freiburg, war mit dabei auf der großen Tour. Er schrieb für die “Badische Zeitung” und war morgens oft auf SWR 4  zu hören.  Wer die Beiträge verpasst hat, kann sie demnächst auf der Avanti-Webseite nachhören: www.avantireisen.de.

Hans-Peter Christoph

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