12.08.2008
Vierter Rückreisetag: Turfan - Yining
Da unsere heutige Etappe nicht ganz so lang wird, nämlich “nur” rund 850 Kilometer, stehen wir später auf als in den vergangenen Tagen und gönnen uns ein Frühstück. Die Tage zuvor waren hatten wir im Bus unseren ersten Kaffee zu uns genommen, und Kekse und Obst. Oder eine der chinesischen Suppen, die wir dabei haben, für den Fall, dass uns die Zöllner an den zentralasiatischen Grenzen zu lange stehen lassen. Im Prinzip sind das die chinesischen Varianten der Fünf-Minuten-Terrinen, nur um einiges größer. Sie stehen in jedem chinesischen Hotel neben dem obligatorischen Wasserkocher, und dem Angebot der Tankstellenshops und den Müllhalden auf Rastplätzen nach zu schließen, sind sie die Hauptmahlzeiten der chinesischen Fernfahrer. Wir haben uns also gut akklimatisiert.
Kurz hinter Turfan steht ein riesiger Windpark mit Windmühlen von Vestas aus dänischer Produktion. Nicht ohne Grund: Der starke Wind jagt in solchen Böen von rechts vorne gegen den Bus, dass ich meine Geschwindigkeit auf unter 60 km/h reduzieren muss, um nicht von der Fahrbahn geblasen zu werden. Beim Überholen eines noch wesentlich langsameren LKW passiert es dann: Eine Böe bläst Schottersteine von der Ladefläche des Lastwagens, hart treffen sie meine Windschutzscheibe, bam, bam, bam, bam. Vier Einschläge sehen wir in der Scheibe, und schon nach wenigen Minuten bildet sich auch schon ein erster Riss. Ein Steinschlag in der Frontscheibe war eine unserer Hauptsorgen gewesen, jetzt ist es so weit. Aber es ist nicht dramatisch, bis zu unserer Rückkunft wird sie hoffentlich halten und zur Not könnte sie auch in der Türkei oder in Griechenland getauscht werden.
In Urumqi, der Hauptstadt der autonomen Provinz, steigt wieder unser uigurischer Führer zu uns, der uns bereits bei der Einreise nach China half und der für uns morgen die Ausreise managen soll. Schön, dass wir uns schon wieder im Westen befinden, im wilden, islamischen Westen Chinas, denn endlich gibt es wieder Brot: Fladenbrot, das erste frische Brot, das wir nach vier Wochen zu essen bekommen, denn bei den “richtigen” Chinesen gibt es kein Brot. Lediglich in einigen Hotels gab es zum Frühstück ein nahezu ungenießbares, süßlich schmeckendes Toastbrot. Der erste Bäckerladen, die flachen Brote zu hohen Bergen aufgetürmt, zwingt mich zum Anhalten. Jetzt fehlt nur noch Käse. Aber den werden wir am Nachmittag bekommen: Von den Nomaden in den Bergen, kurz bevor wir Yining, unser Ziel kurz vor der chinesisch-kasachischen Grenze erreichen.
Schön, die ganze Strecke zurück fahren zu dürfen. Aber einfach wird es nicht, so wunderschön die Landschaft auch ist: Viele Polizeikontrollen kosten viel Zeit, ebenso wie die elendslange Baustelle hinter dem See. So sind wir erst gegen halb elf abends im Hotel. Morgen versuchen wir auszureisen, oder besser gesagt, zu den Kasachen zu kommen.
Fotos aus dem Bus:


