26.07.2008
Der Bus und wir
„Im Mittelpunkt steht der Mensch“ war einst ein Lieblingsspruch von Helmut Kohl. Wir Avanti-Reisenden sehen die Welt anders – „im Mittelpunkt steht der Bus“!  Wir wissen mittlerweile alles über unser(en) Gefährt(en): Wenn er nur 23 Liter Diesel auf 100 km verbraucht, freuen wir uns. Bei 35 Litern infolge von Stop-and-Go leiden wir mit Anatoli mit – denn „seinen“ Bus zeichnet doch gerade der niedrige Verbrauch aus. Wenn er steht, der Bus, wird der Motor ausgeschaltet (und damit zugleich die Klimaanlage), denn auch Alain will  „seinem“ Bus  eine günstige Verbrauchsstatistik erhalten, die durch eine – aus seiner Sicht - unnötige Energieverschwendung in die Höhe getrieben würde. Wir zögen eigentlich angesichts von 40 Grad draußen hier drinnen Kühle vor, haben aber längst die eigene Befindlichkeit  den höheren Zielen untergeordnet. „Wie geht es dem Bus“, fragte die Moderatorin in einem der Radiobeiträge, die dem Bus – Verzeihung: uns im Bus - heute vorgespielt wurden. „Gut geht es dem Bus“, meinte der Reporter.
Wir haben verinnerlicht, wann es dem  Bus gut geht:  Wenn sein Tank genügend Harnstoff hat (in Anatolien wurden ziemliche Klimmzüge veranstaltet, um diesen raren Stoff herbei zu schaffen). Wir fühlten mit, als der Rote einen Platten hatte, als er einmal stecken blieb oder wenn er wieder mal in ein tiefes Schlagloch krachte. Alain kehrt Hans-Werner mit dem Handbesen ab, wenn dieser  völlig staubig von der Erkundung eines Erdlochs zurückkehrt, und uns gebietet Alain unsere Schuhe nur ja abzuputzen, denn in „seinem“ Bus duldet er keinen Schmutz.
Überhaupt: „Ihr“ Bus muss sauber sein, dafür sorgen Hans-Peter und Alain regelmäßig mit Wasserschlauch und Bürste, und wir dürfen am Morgen erst eine Viertelstunde vor Abfahrt am Bus auftauchen, vorher wollen Alain und Hans-Peter im trauten Tête-à -Tête mit „ihrem“ Bus allein sein – samt Staubsauger. Kein Pressefoto, auf dem nicht der rote Avanti-Bus zu sehen ist – zwischen Kamelköpfen, vor dem Sultanspalast, auf dem Isfahaner Khomeini-Platz. „Im Mittelpunkt steht der Bus“, dafür wird gesorgt. Nachdem wir heute viele Reportagen über diese Reise gelesen und gehört hatten, fragte Niklaus: „Und wo bleiben eigentlich wir?“ „Wir sind die Sättigungsbeilage“, meinte Lucia – da haben wir alle laut gelacht, und ich nahm das Notebook aus der Gepäckablage und schrieb diesen Blog. Voilà .
Rosch


