
Zeitraum von: 16.6.2008, 20:00 Uhr
Zeitraum bis: 17.6.2008, 22:30 Uhr (Ortszeit)
Ort alt: Hotel Nuh, Dogubayazit, Türkei
ort neu: Täbris, Tabriz International Hotel, Imam Khomeni Avenue, Tabriz, Tel. 3341081-9, Fax 3341080, http://www.tabrizinternationalhotel.com Einwohner alt: ca. 55.000
Einwohner neu (nur Stadt; nicht Umkreis): ca. 1,3 Mio.
Höhe über NN alt: ca. 1.600 m
Höhe über NN neu: ca. 1.300 m
Zeit alt: 1 Std voraus (Türkei)
Zeit neu: 2,5 Std voraus (Iran)
1. Der Harnstoff ist angekommen. Der Bus fährt damit umweltfreundlichst nach den Normen von 2014, während hier im Iran antiquierteste Gefährte unterwegs sind. Die Fahrt durch den Iran ist für den Kenner der Historie der Lkw und Pkw eine Nostalgiefahrt sondersgleichen.
2. Der Sonnenaufgang des Ararat war diesmal noch schöner. Daher sind neue Bilder beigefügt. Sonnenaufgang war um 4:55 Uhr.
3. Fahrt; Grenze
a) Allgemeines
Es ist eine Grenze, bei der zwei Grenzsperren, die unmittelbar nebeneinander lagen, aufgingen: Die türkische und die iranische. Sowohl die Grenzabwicklung in der Türkei und im Iran verliefen problemlos, wir mußten nur im Iran ca. 2 Stunden warten. Zu spät kamen wir auf die Idee, uns beim Kaffee im Grenzübergang mit Speisen und Getränken zu versorgen. Ein kleiner Junge verkaufte uns iranisches Brot. Sehr hilfreich war die seit 9 Monaten verheiratete, junge iranische Mitarbeiterin des Tourismusinformationszentrums, die uns auch hinsichtlich weiterer Fragen (Kleiderordnung, etc.) tatkräftig unterstützte.
An der Grenze fuhren wir gegen 13 Uhr iranischer Zeit los, nachdem wir Reza, unseren neuen Reiseleiter, aufgenommen und einige versicherungstechnische Fragestellungen geklärt hatten.
b) Bank, Geld
Wir fuhren um 7 Uhr Ortszeit in Dogubayazit los, nachdem wir uns von unserem Guide Cem verabschiedet hatten. Die Fahrt führte uns am Ararat vorbei zur türkisch- iranischen Grenze. Hussein, unser nur Englisch sprechender iranischer Guide übernahm es, Geld einzusammeln und es offiziell bei der Bank zu wechseln. Wider Erwarten waren große Banknoten günstiger. 1 € = 14.350 Rial. Uns wurden Bündel von Scheinen mit 20.000 Rial, teilweise mit 10.000 und teilweise mit 5.000 Rial ausgehändigt.
c) Glaubensfragen
Jede unserer mitreisenden Damen hat ihren eigenen Weg gefunden, sich mit der islamischen Kleiderordnung zu arrangieren und das führte jedenfalls bislang zu keinen Beanstandungen. Es war aber auch für die Männer eine neue Erfahrung. Begründet wird die Bedeckung der Haare lt. unserem türkischen Reiseführer Cem damit, daß die Frau den Mann reizen könnte. So verhüllt sie sich und zeigt so auch nicht, ob sie eine schlanke Figur hat. MK meint, dass die Kopftuchpflicht im Ergebnis ihre Zielsetzung verfehlt.
d) Mittagessen
25 km hinter der Grenze tankten wir und aßen zu Mittag. Der Weg zur Toilette führt nicht mehr über Gräben sondern über Wasserleitungen.
4. Verkehr, Fahrweise, Diesel
a) Diesel
Es gibt die Anekdote eines Fernfahrers:
Er geht zur Kasse und sagt “Ich will 180 Liter Diesel.” Er zahlt 2 € und meint, es sei eine Verwaltungsgebühr. Er tankt die 180 Liter und geht erneut zur Kasse und will bezahlen. An der Kasse weigert man sich, Geld zu nehmen. Nach einigem Hin- und Her fährt der Fernfahrer weiter zur nächstgelegenen Raststätte für eine Pause. Der Tankwart folgt mit einem der Landessprache des Fernfahrers mächtigen Begleiters. Dieser sagt: “Hier ist Ihr Wechselgeld. Sie haben zu viel bezahlt.”
Iran ist ein paradisisches Land für Busunternehmer. Wir tankten heute:
25.000 Rial / 14.350 [Euro / Rial offizieller Wechselkurs] * 100 [ct statt €] / 150 l [150 Liter wurden getankt] also zu einem Preis von
1,16144 CENT - nicht Euro - je Liter.
Benzin kostet ca. 9 Cent. Benzin ist rationiert, sinnvollerweise mit z. Z. 120 Liter/Auto und Monat, d. h. wer mehrere Autos fährt, hat insgesamt mehr Sprit zur Verfügung. Die Autos sind zumeist deutlich älter und verbrauchen damit entsprechend mehr.
b) Fahrweise
Es gibt im Stadtverkehr hier mehrere Regeln:
- Ich will da hin, also fahre ich so. Bestehen mehrere ausgezeichnete Fahrstreifen, so wäre es zu einfach und zu umständlich, je Fahrspur eine Reihe Fahrzeuge anzulegen; auf eigentlich einspurigen Straßen sind auch waghalsige Rückwärtsfahrmanöver an der Tagesordnung.
- Was andere wollen, ist mir egal, d. h. Fußgänger queren, wann es ihnen paßt den mehrspurigen, ausnahmsweise mal fließenden Berufsverkehr (und ändern damit den lang ersehnten Zustand), man bleibt stehen, wo es einem passt.
- Es wird mit der Hupe kommunziert, niemals aufdringlich, aber immer in einer höflich-bestimmten, hinweisenden Art und Weise versucht, mitzuteilen, dass man selbst mal mit seinen Wünschen an der Reihe ist. In Zeiten des kalten Krieges hatte die NATO die Theorie der flexible response, d. h. der abgestuften Antwort. Dies gilt auch für den Verkehr in Täbriz, denn alle gehen mit einer landestypischen, positiven Grundeinstellung an das trafficbezogene Tageswerk. Daher: Wird freundlich gehupt, wird freundlich zurück gehupt, alles abgestuft, nuanciert, pointiert und mit dem gewissen Etwas als Signal, das nur der Einheimische zu deuten weiß.
5. Landschaften; Klima
Es wird wärmer, wir hatten heute über 30 Grad, doch war das angesichts der Klimaanlage im Bus erträglich. Wir würden gerne den heizenden Daheimgebliebenen etwas Sonne abgeben.
6. besuchte Kirche
Wir besuchten nach der Grenze eine christliche Kirche. Hierzu folgt ein gesonderter Bericht.
7. Hotel, Essen
Was ist der Unterschied zwischen einem 4-Sterne-Hotel im Iran und einem Provinzhotel in der Türkei an der iranischen Grenze ?
a) Internet
Im Provinzhotel finden Sie ein ungesichertes W-LAN-Netz und können durch die Eingabe von dsldevice.lan auch als x-beliebiger, nie registrierter WLAN- Nutzer den WLAN-Zugang konfigurieren und dabei andere von der Nutzung nach Ihrem Belieben ausschließen. Im 4-Sterne Hotel gibt’s kein WLAN, zuerst heißt es, alle Geräte seien “busy”, doch wenn Sie sagen, daß Sie ein eigenes Kabel dabei haben, lässt man sie gegen Bezahlung das Netz nutzen.
b) Allgemeines
Es sind natürlich die allgemeinen Annehmlichkeiten, etwa Gepäckträger, bessere Einrichtung des Hotels, besseres Essen, und und und. Hier hatten wir ein Buffetessen, daß keine Wünsche offen ließ und eine vielfältige Auswahl des Abendessens.
c) Sprache
Das Personal des 4-Sterne-Hotels spricht gut Englisch. Ein junger Mitarbeiter des Hotels an der Rezeption lernt Deutsch mit einem Buch, das noch aus Zeiten stammt, in denen es eine Deutsche Demokratische Republik gab.
d) Einfahrt
Es ist aber auch die Hofeinfahrt. Das Provinzhotel bereitete den Parkplatz vor dem Haus vor, in dem es plumpe Betonklötze am Bürgersteig deponiert. Das teure 4-Sterne-Hotel liegt in strategisch günstiger Lage, d. h. der Bus, der die Gepäckstücke auf der falschen Seite einlädt, darf diese im Gewühl des Stadtverkehrs in Täbris (Regeln s. o.) entladen. Doch hassen Avanti-Busfahrer derartige Zwangslagen. Bestimmt ist es NICHT so, dass die Einfahrt des 4- Sterne-Hotels extra an den Avanti-Bus angepasst wurde, doch sagte deren Augenmaß - aus einer Entfernung von etwa 10 Metern: “Der Bus passt da durch.” Freilich passte der Bus auch da durch, doch waren es auch diesmal nur wenige Zentimeter Seitenabstand. Fahrgäste bei Avanti wissen jedoch aus leidvoller Erfahrung, daß sich derjenige blamiert, der schreit.
8. Handies
Es gab vereinzelt Anrufe, die durchkamen. SMS scheinen zu gehen, allerdings auch nicht mit allen deutschen (Empfänger) und iranischen (Absender) Netzbetreibern. Es ist allerdings sehr teuer, das Handy, gleichgültig ob man angerufen wird oder anruft, zu benutzen.
9. Kontakt zu Einheimischen
MK traf in der Lobby Iraner, die den Bus mit der Strecke sahen. Die Eindrücke, die man in Deutschland hat, passen nicht zu dem, was zutrifft. Sie hätten gern mehr Kontakt zu Ausländern und wollen Frieden; sie würden auch Israelis zu sich nach Hause einladen. Seit dem Atomstreit fällt es zunehmend schwerer, Visa für Schengen-Staaten zu bekommen; für Tourismus gebe es keine VISA, für Geschäftszwecke nur in besonderen Ausnahmefällen. Mir missfällt die Arroganz unseres Landes, denn es gibt sehr viele, die sich sehr anstrengen, um mit allen verfügbaren Mitteln Deutsch zu lernen. Haben sie es gelernt, gibt man ihnen nicht die Möglichkeit, Sprache und Kultur vor Ort zu erfahren.
Die Iraner hielten die deutschen Bahnen für pünktlich; sie meinten, wenn ein Zug Verspätung habe, würde die Uhr des Reisenden falsch gehen.
Auf der Straße findet man schnell Kontakt zu Iranern; oft wird man angesprochen und man trifft auch in den Basaren sehr viele, die Deutsch sprechen. Vorsicht ist angesagt, wenn einem beim Teppichkauf geholfen wird und wenn man in bestimmte Geschäfte geführt wird.
10. Besuchsprogramm Mittwoch, 18. 6.
Auf dem Programm stand ein Besuch der Blauen Moschee, des angrenzenden Museums, eines Aussichtsturms und des Bazars. MK war weniger in Dokumentierlaune, daher wird versucht werden, diese Bereiche durch einen weiteren Bericht abzudecken. Einige Mitglieder der Gruppe waren abends eingeladen, andere besuchten am späten Nachmittag ein Ausflugscenter.
Markus Krammer
Video: http://www.markus-krammer.de/blogs/blog-m-03.mpg










Â