Bus-Tour in Echtzeit verfolgen

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Archiv für das Tag 'Turkmenistan'

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Reisen technisch gesehen

Reiseerlebnisse 2. Teil

Technisch gesehen sind wir auf dem neuesten Stand. Sobald wir in ein Hotel eingezogen sind, wählt sich unser IT-Mann Markus, wenn möglich, in ein WLAN-Netz ein. In ein ungesichertes sowieso und bei einem gesicherten wird mittels Code-Wort, das er sich besorgt, entsichert. So hatten wir kostenlosen Zugang zu Internet und Telefonie. Im Iran wollte man für die Nutzung im Hotel einen Unkostenbeitrag pro Tag. In Turkmenistan ist tote Hose. In Samarkand kostet die Stunde im Hotel 3 US-Dollar, im Internet-Cafe 0,30 US-Dollar. Bei WLAN kann der Funktionsradius manchmal nur 1,5 Meter betragen, aber Markus findet den Punkt sehr schnell und es funktioniert. Er ist nebenbei Jurist und so sind wir immer auf der sicheren Seite. Bei den Straßenkontrollen ahnt man das anscheinend. Wir bremsen ab, nähern und langsam und sobald unsere “Ausstrahlung” wirkt, winken sie uns durch.

Im Iran lagen wir anscheinend nicht ganz auf der richtigen Frequenz. Die Polizei winkte uns heraus. Wir sahen das Radarmessgerät von Weitem auf einem Fotostativ. Der Polizist behauptete, wir seien über dem Limit von 100 km gefahren. Wir fahren aber auf der Autobahn stets mit Tempomat. Er glaubte es nicht. Wir zeigten ihm die Tachoscheibe, die extra für diese Fälle eingebaut wurde (In Deutschland wird sie bei dieser Bus-Kategorie von der Polizei elektronisch ausgelesen). Er meinte, der Fahrer kenne die iranischen Verkehrsregeln nicht. Unser iranischer Reiseleiter konterte, die Fahrer seien in Deutschland extra für den Iran geschult worden. Er meinte, wir müssten trotzdem bezahlen.Wir: Okay, wir bezahlen, melden aber sein Vorgehen gegen einen ausländischen Touristenbus einer höheren Verwaltungsstelle. Er: Dann fahren Sie weiter,  aber passen Sie künftig auf.

Ganz anders sieht es mit dem Busmotor aus. Um die E5-Norm zu erreichen, wird dem Abgas vor dem Katalysator Harnstoff zugeführt. In Istanbul wollten wir nachkaufen, aber fanden das Depot nicht. In Erzurum (1.300 Kilometer östlich) sollte das nächste sein. War aber keines. Also blieb der türkische Reiseleiter in Erzurum bis der telefonisch bestellte Harnstoff mit dem dritten Fernbus aus Istanbul gegen 17 Uhr in Erzurum eintraf. Der Reiseleiter schlug sich dann mit Privatfahrzeugen und 60 kg Harnstoff bis in den Grenzort an der iranischen Grenze durch und traf uns am späten Abend im Hotel wieder. Einige Fahrgäste schlugen vor, den Harnstoff der Reisenden einzusammeln, aber Toni - der Mercedes-Techniker - meinte, der sei zu verunreinigt. Wir hofften, dass sich dies ab Iran ändern würde, wenn kein Alkohol mehr getrunken werden darf. Hier liegt noch ein Entwicklungspotential für den Motorenhersteller.
Bei den Steckdosen kommt es besonders auf die Sicherheit an. Deshalb sind in den türkischen Baedern keine Steckdosen. Aber es sind überall Schukosteckdosen, obwohl es in den Elektrofachgeschäften auch französische Modelle mit dem herausstehenden Erdungspol gibt. In den Hotels hat sich aber die Gastarbeiterlobby durchgesetzt. Ich rasierte mich manchmal im Bett, hinter dem Fernseher oder an der Sockelleiste sitzend und kontrollierte das Schnittmuster an meinem Kinnbart anschliessend im Badspiegel.  Im Iran gibt es wieder Steckdosen im Bad. Die Null-Eerdung hat man wegrationalisiert oder gleich in der Vorkriegsqualität belassen. Trotzdem wurde bisher niemand elektrogeschockt.
Die Toiletten werden in den Hotels immer niedriger. In Mashhad (Iran) erreichten wir die Bodenebene (iranisches Modell). Das Auf-den-Boden-Setzen sei nicht so schlimm, aber das Aufstehen, meinte ein Mitreisender. Toilettenpapier gab es auch nicht mehr. Wir befanden uns in einer islamischen Pilgerstadt und die Verwendung von Toilettenpapier widerspricht den islamischen Reinigungsvorschriften. Dafuer gibt es einen Wasserschlauch und die linke Hand. Die Temperatur zu mischen, den Wasserdruck zu regeln und den Anstellwinkel zu finden, erfordert Erfahrung. Vorheriges Üben daheim ist empfehlenswert. Vielleicht einen VHS-Kurs belegen, um nicht das ganze Badezimmer in Mitleidenschaft zu ziehen. Um Allah danach zu danken, lag ein Gebetsteppich, ein kleiner Stein, auf den man die Stirn legt, bereit. Ein Kennzeichen an der Wand, markierte, in welcher Richtung Mekka liegt - denn sonst geht die Sache am Ziel vorbei und bringt gar nichts.
In Mary (Turkmenistan) war das Hotelgebäude wie viele umliegende große Gebäude mit Marmor verkleidet. Es gab auch einen geschlossenen Innenhof mit Lichtkuppel. Die Zimmer hatten aber kein Außenfenster. Die Luft kam durch ein Rohr im Bad. Ohne die Klimageräte im Zimmer waren noch 27 an der Aussenfasade und im Innenhof angebracht. Diese liefen auch. Strom ist in Turkmenistan kostenlos. Ebenso kostet Wasser, Gas und 100 Liter Benzin nichts (und darüber 22 US-cent) Der Turkmene zahlt keine Steuer und die Firmen nur 2 Prozent, wie uns der turkmenische Reiseführer erklärte.
Seit Anatolien dient das Leitungswasser nur zur Reinigung des Körpers. Manche tranken es auch zur Darmreinigung. Das funktioniert ausgezeichnet. In Turkmenistan wurden wir vom Reiseleiter ausdrücklich darauf hingewiesen, kein Wasser aus der Leitung zu trinken. Da wir uns in der Wüste mit vielen Bewässerungskanälen befinden, versickert nicht nur das Wasser durch den Sand, sondern auch die Giftstoffe, die auf die Baumwollkulturen aufgebracht werden.
Im Hotel verkaufen die freiberuflichen Etagenfrauen nicht nur Trinkwasser (1,5 l zu 1 $). Wir wurden darauf hingewiesen, dass unter dem Reinigungspersonal auch Geldscheinsammler seien. Sie nehmen nicht alles, aber vervollständigen gelegentlich ihre Sammlung.
Die Zimmerschlösser unterscheiden sich stets. In Samarkand lässt sich die Türe nur von außen zusperren. Also Türe öffnen, absperren und von innen zudrücken. Ist ja auch eine Logik (Das Hotel wurde von Indern errichtet): Wenn ich im Zimmer bin, merke ich ja. wenn jemand hereinkommt. Nur wenn ich weg bin nicht. Wir sind eben im Orient.
Werner Ortner

athen-peking

Auf der Fahrt nach Mary

27. 6.2008

Ein großes Durchatmen. Nach 4,5 Stunden ist der Grenzübertritt nach Turkmenistan geschafft. Bei ca. 39 bis 40 Grad wir auch. Unser Hans-Peter - Kommandant der Truppe - atmet sichtbar und erleichtert auf. 

Es geht weiter auf schier endlosen und geraden Straßen. Immer geradeaus. Rechts und links Steppenwüste bis zum unendlichen Horizont. 80 Prozent von Turkmenistan besteht aus Wüste. Dann plötzlich wird es grün und wir sehen Wassergräben. Woher das so plötzlich wohl kommt? Unser Führer klärt uns auf. In Zeiten der Sowjetrepublik wurde der längste Kanal vom Amudazy Oxus gebaut und ein Großteil dieser Wüstenlandschaft fruchtbar gemacht. 1.100 Kilometer lang. Baumwolle ist das Produkt. Hier ist der Kanal ein Segen, woanders ein Fluch, weil dort das Wasser fehlt.

Und plötzlich ist die Welt offener und freundlicher - die Frauen sind nicht mehr verschleiert. Ankunft im Hotel in Mary gegen 19. Uhr Ortszeit. Der erste Blick ins Zimmer:  keine Toilettengruben. Alles ist okay. Bis bald.

Ulrich von Ötlingen