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Archiv für das Tag 'Wüste Gobi'

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Eine “singende” Fußmassage

Marco Polo schrieb, dass  auf der Seidenstraße im Nordosten von China hohe Sanddünen aus der Geröllwüste herausragen und dass sie „singen“. Man höre Trommeln und verschiedene Musikinstrumente erklingen in dieser imposanten Sandwüste wie aus dem Bilderbuch, die sich über 800 Quadratkilometer erstreckt. 

Wir machten einen zweitägigen Stop an dem inzwischen wieder sehr belebten Ort Dunhuang, der auf Grund seiner Geographie eine strategische Rolle an der Seidenstraße spielte.

Ich versuchte die damals von vielen Reisenden erlauschte Sandmelodie zu vernehmen; ich hörte nichts außer der tiefen Ruhe des Sandes.

Etwas frustriert entschied ich mich für eine Fußmassage in unserem Hotel. Ich bekam ein junges Mädchen mit sanften Händen. Und einer warmen Stimme. Da keine sprachliche Verständigung zwischen uns beiden möglich war, fing sie an zu singen. Ihre Stimme klang ganz anderes als die schrillen, dünnen, hohen Stimmen der Chinesinnen, die ich bis jetzt  entweder von Platten oder aus dem Fernsehen kannte. Melodiöse Lieder waren es; sie hörten sich sehr poetisch an, leicht melancholisch. Vielleicht Liebesballaden? Ihre Augen leuchteten vor Freude, als ob sie mir etwas Schönes  mitteilte. Oder nur sagen wollte, wie gerne sie singe.

Plötzlich fühlte ich mich ihr gegenüber verpflichtet und begann auch ein paar Liedchen zu trällern, in meiner Muttersprache Französisch. Und das Fräulein hörte zu. Ich hatte das Gefühl, weniger Analphabet zu sein, ein Gefühl, dass wir alle seit Istanbul quasi  haben: Wir können die Schilder nicht mehr lesen und  wir können uns nicht mehr verständigen. Niemand spricht Englisch.

Als nach einer guten Stunde die Fußmassage beendet war, holte meine Masseuse ihren IPod aus ihrer Tasche und ließ ihren momentanen Lieblingssong laufen. Sie teilte ihre Begeisterung mit,  ich nahm an ihrer Träumerei teil…

Als ich danach von der riesigen Hochterrasse des Hotels aus versuchte, die Konturen der Sanddünen durch die Nacht zu erblicken, ertönte eine Melodie aus den Sandhügeln.

Pierrette Stephan-Letondor

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Chinesische Grenze - Turfan - Hami

Meine erste Reise nach China - ich hatte keine genaue Vorstellung, was mich erwartet, ich war und bin nur neugierig, also gibt es auch keine Enttäuschungen, im Gegenteil, alles ist spannend, ich hätte nie gedacht, dass Neubauviertel in der Wüste mit einem realsozialistischen Resttouch so interessant sein könnten.

Die Menschen hier machen es mir einfach, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, will heißen, es gibt ganz einfache Verständigungscodes, nach denen ich verstehe, ob ich sie fotografieren darf oder nicht oder einfach nur ein Blick und ein Lächeln getauscht wird. „Blaue Wattejacken“ ist schon lange nicht mehr.

Turfan – 150 Meter unter dem Meeresspiegel, 48 Grad bei der Ankunft, auf den ersten Blick eine trostlose Ansammlung einfallsloser Architektur auf der China Road 312. Eine halbe Million Uiguren und Chinesen leben hier. Am späten Nachmittag, lässt die Hitze nach, das Leben in den Straßen erwacht wieder (obwohl ich das Gefühl habe, die Chinesen machen nie Pause) und wir gehen auf einem der baumbestandenen Bürgersteige Richtung Basar. Die Luft brennt, ein einziges Gewusel. Eine der Hauptstraßen auf dem Weg dorthin wird völlig neu geteert, der Bürgersteig neu gepflastert, alles während der Verkehr weiterläuft, die Teermaschine bei der Arbeit bestaunt wird, Leute aus Geschäften kommen, deren Treppenstufen gerade neu gelegt werden. Es wird eigentlich überall und ständig gebaut.

Hello, do you speak English? Diesmal kein Kind, sondern ein Lehrer aus Turfan, der mich anspricht. Er ist neugierig, Englisch zu sprechen und etwas aus der Fremde zu erfahren, Ich muss keine vorsichtigen Fragen stellen, er erzählt sehr direkt über die harten Arbeitsbedingungen, das wenige Geld bei den meisten und über Tibet. „Wir haben doch gar kein Geld für die Olympiade“, fährt er fort. Ein Arbeiter verdient im Schnitt monatlich etwa das, was ich in 3 bis 4 Tagen auf der Reise auf den Kopp haue. „Wir lernen Englisch weil unsere technologische Entwicklung so langsam ist.” We want to catch up with the US - das ist hier die Orientierung, bin ich überrascht.
Den ganzen Tag über ziehen dunkle Wolken auf? Regen? Hier? Im Sommer in der Wüste? Abends ist es soweit: Schwefelgelbe Wolkenbeutel lassen auf Regen hoffen. Am Ende sind es nur wenige Tropfen, die ich abbekomme. Ein phantastischer Regenbogen spannt sich über Turfan, ich lasse das Essen stehen, die Passanten sind genau wie ich fasziniert von dieser Schönheit!
Trotzdem, ohne Wasser von weit her läuft hier gar nichts. Ein über 2000 Jahre, großenteils unterirdisches Bewässerungssystem sorgt bis auf den heutigen Tag dafür, dass die Rebstöcke rund um Turfan und auch die Bäume, die ganze Straßenzüge im Sommer schattig abdecken, genügend Wasser bekommen. Grabungstechnik und das System der über 2000 Kilometer Kanäle sind im Museum anschaulich dargestellt, unterirdische Gänge führen den Besucher in die Technik ein und zum Schluss „en directe“ in den Souvenirshop. Zentralasiatisches Disneyland!

Alle Sehenswürdigkeiten haben hier große Ähnlichkeiten – das beginnt bei den Einlassgittern, die sind nagelneu und sind alle vom gleichen Herstelle, den riesigen Souvenirshops - und endet bei der Vermutung, die Uiguren machen die Show und die Han-Chinesen das Geschäft.

Jiahoe, von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert erobert, Ruinen auf einem Felsplateau, wir wandern durch skurrile Sandsteinformationen, froh, endlich dem plärrenden Lautsprecher der chinesischen Reiseleiterin entkommen zu sein, die ihre Gruppe unablässig mit Informationen  zudröhnt. Interessante Souvenirs gibt’s auch – wer seinen Tee in Zukunft in Erinnerung an vergangene Zeiten schlürfen möchte, kann die Teebeutel in eine Kanne mit den Konterfeis von Mao und Tschou En Lai gleiten lassen, ermutigende Parolen darunter inklusive, alles zum Preis von 6 Euro.

Nachdem wir uns nun auch sicher sein können, in der Wüste Gobi zu sein, der schwarzen Gobi nämlich (wegen der Farbe des Gerölls so genannt),  steigt die Aufmerksamkeit für diesen Teil der Tagesetappen auch noch einmal.
Diese Fahrtage sind überhaupt sehr relaxed, bei der Beschreibung des Reisegefühls bekommt der Leser vielleicht den Eindruck, hier wird ein Werbetext für die Vorzüge des Busreisens entworfen. Im Bus ist soviel Platz, dass ich den Platz auch mal wechseln kann, um mit anderen Reisenden zu quatschen, hinten an einem der Tische meinen Laptop zu laden oder  Postkarten zu schreiben. Der superbequeme Sitzabstand lässt mich entspannt durch den Mittag dösen, während draußen das Tien-Shan-Gebirge vorüberzieht. Ich stoße auf Reiseführer und andere spannende Bücher über China – die liegen alle in einer großen Bücherkiste am Mitteleingang. Es ist schön, Zeit zu haben. Es gibt einfach keinen Reisestress, immer mal wieder Musik oder eine Arte Reportage über Xinjiang.
Der knallrote Setra Luxusbus hat Wohnzimmercharakter.

Selbst von Provinzpolizisten willkürlich verhängte Zwangspausen  an einer der zahlreichen Mautstellen bringen uns nicht mehr aus der  Ruhe. Ansonsten gibt es immer nur eine Richtung: Nach Osten!

Wolfram Goslich

Fotos von Wolfram Goslich (www.busconcept.de)

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